Aufbruch in die Zukunft

Überschwemmungen, Waldbrände, Massenmigration und die Zerstörung der Biodiversität sind nur einige Folgen für Mensch, Tier und Umwelt, wenn wir es nicht schaffen, die Erderwärmung unter 2 Grad Celsius bis ins Jahr 2100 zu halten. Wenn uns das gelingen soll, dürfen weltweit allerdings nur noch 600 Gigatonnen an Treibhausgasen emittiert werden. Aktuell verbraucht die Welt 55 Gigatonnen jährlich. Das bedeutet, dass unsere Reserven bereits in wenigen Jahren erschöpft wären.

Mag. Hannes Loacker
Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG

Der Energiesektor produziert dabei zwei Drittel der Treibhausgase. Daher müssen wir die Emissionen sehr schnell reduzieren und das geht nur, wenn man die Energiewende konsequent vorantreibt. Es muss daher sehr viel Geld in erneuerbare Energien fließen. Zukunftsorientierte Energieerzeugung und -förderung sowie verantwortungsvolles Energiemanagement sind das Gebot der Stunde.

 

Was steckt hinter Smart Energy?

Durch gezielte ESG1-Investments, d. h. Investments auf Basis nachhaltiger Kriterien, können wir den Kampf gegen die Erderwärmung unterstützen. Im Bereich Smart Energy geht es konkret um Unternehmen aus den Themenspektren erneuerbare Energie, Energiedistribution, Energieeffizienzen, Energiemanagement, Energiespeicherung und Transport. Im Fokus derartiger Kapitalanlagen steht die kohlestofffreie Wirtschaft (Low Carbon Economy).

Viele der entsprechenden Branchen sind geprägt von Wachstumschancen. Dies betrifft Wasserstoff – sowohl als alternativen Kraftstoff als auch als Langzeitspeicher für Wind- und Solarenergie – ebenso wie effizientere und kostengünstigere Batterien für Elektrofahrzeuge. Solar- und Windenergie werden mit dem zunehmenden Abbau von Kohlekraftwerken sowie fallenden Produktionskosten noch größere Bedeutung gewinnen. Auch Unternehmen, die „intelligente“ Energienetze betreiben oder mit entsprechender Software (z. B. Smart Metering) ausstatten, sind für Investoren von großem Interesse.

Darüber hinaus sind die ehrgeizigen Klimaziele – Stichwort Pariser Klimaabkommen oder „EU Green Deal“ – nur zu erreichen, wenn die Investitionen zur Erhöhung der Energieeffizienz bei Gebäuden deutlich ausgeweitet werden. Aktuell sind in der EU 35 % der Gebäude über 50 Jahre alt und 75 % der Gebäude gelten als energieineffizient2. Im Rahmen einer Renovierungsoffensive der EU sollen bis 2030 jährlich zusätzlich 275 Mrd. Euro an Investitionen in diesem Bereich getätigt werden. Davon können Industrie- und IT-Unternehmen, die in Bereichen wie Wärmedämmung oder elektrische und digitale Gebäudeinfrastrukturen tätig sind, profitieren.

 

Europa führend bei investierbaren Titeln

Europa ist in Hinblick auf erneuerbare Energie besonders engagiert, wobei Skandinavien ganz klar die Nase vorn hat, denn gerade in diesen Ländern tut sich auf technologischer Seite sehr viel. Insgesamt ist beeindruckend, wie viel erneuerbarer Strom mittlerweile in europäischen Ländern produziert wird. Und auch in den USA sind sehr viele Unternehmen in diesem Bereich tätig. In Asien ist es für uns ESG-Investoren auf diesem Gebiet im Moment noch relativ schwierig, passende Unternehmen zu finden. Allerdings kann man davon ausgehen, dass sich das innerhalb der nächsten Jahre ändern wird, und auch die asiatischen Märkte attraktive Investment-Möglichkeiten bieten werden. Allein die Luftverschmutzung zwingt viele Länder dazu, etwas zu tun.

 

Investment in der Praxis

Wie der Prozess eines ESG-Fondsinvestments im Bereich Smart Energy verläuft, hängt von den Investment-Guidelines des jeweiligen Produktes ab. In unserem Fall ist dort – neben vielem anderen – klar definiert, wie hoch der Mindestumsatz des Unternehmens im Bereich Smart Energy sein muss. Daher screenen wir zuerst das Universum hinsichtlich ihrer Umsätze in diesem Bereich und legen dann unsere hauseigenen ESG-Kriterien an, was unter anderem auch zur Folge hat, dass Unternehmen mit Atomstorm, Kohle-, Gas- oder Ölproduktion nicht ins Portfolio aufgenommen werden. Die Letztentscheidung fällt letztlich auf Basis einer Fundamentalanalyse, bei der die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen den dominanten Faktor bilden. Die sorgfältige Titelauswahl bewirkt letztendlich auch, dass ESG-Investments in Smart Energy im Vergleich zu konventionellen Energieanlagen einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck hinterlassen.

 

1 ESG steht für Environment, Social, Governance
2 EU-Kommission