Nachhaltigkeitsbewertung Bildung Fokus Digitalisierung / IT-Branche

Die IT-Branche zeichnet sich durch extrem hohen Wettbewerb, die Notwendigkeit permanenter Innovation und damit höchste Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Die Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten der handelnden Personen, basierend auf Intelligenz, Bildung, Weiterbildung, Erfahrung und Know-how, sind in diesem Sektor besonders ausgeprägt.

Andreas Perauer, MSc
Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Bildung beinhalten den Dialog mit einigen IT-Unternehmen weltweit. Der Fokus des Dialogs liegt in der Weiterbildung und Bindung wichtiger Leistungsträgerinnen und -träger an das Unternehmen. Folgende Fragen werden dabei gestellt:

 

Welche Basisausbildung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen Sie im Recruiting voraus?

In einer dynamischen Weltwirtschaft mit all ihren Ausprägungen lässt sich ein allgemeiner Standard für eine notwendige oder geforderte Basisausbildung nur schwer festlegen. Dass diejenigen, die sich um einen Job bewerben, über die Grundkenntnisse Lesen, Schreiben und Rechnen verfügen sollten, erklärt sich von selbst. Darüber hinaus hängt es aber vor allem von der jeweiligen Branche ab, welche Ausbildung wirklich gefordert wird. Die im Rahmen unseres Engagements beleuchtete IT-Branche gehört zu jenen Branchen, die aufgrund hochkomplexer Arbeitsprozesse allgemein höhere Anforderungen an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt. Bei den meisten Unternehmen sprechen wir hier von einem Universitätsabschluss als Basisausbildung. Das Softwareunternehmen „Adobe“ beispielsweise, fordert einen Bachelorabschluss oder einschlägige Praxiserfahrung, die einem derartigen Abschluss gleichkommt.

 

Welche Features in Bezug auf Bildung und Ausbildung gibt es in Ihrem Anwerbungsprozess?

Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit lassen erkennen, dass Unternehmen vermehrt die Bedeutung eines frühzeitigen Trainings erkennen. Bei den IT-Unternehmen sind es speziell Kooperationen mit Universitäten und maßgeschneiderte Praktika, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Facebook zum Beispiel betreibt eine eigene „Facebook University“, durch die Studierende aus schwierigem Umfeld die Menschen, Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens kennen lernen können. Neuen Softwareingenieuren bietet Facebook außerdem ein so genanntes „Engineering Bootcamp“ an, mit dessen Hilfe sie ihre Stärken und Präferenzen identifizieren und sich so an einem Team ausrichten können, in dem sie die größte Wirkung erzielen.

 

Spielt das Thema Diversität im Recruiting Ihres Unternehmens eine Rolle? Ist ein multikultureller Aufbau von Teams aus Ihrer Sicht von Vorteil?

Studien zeigen, dass das Miteinbeziehen von Diversität im Einstellungsprozess sowohl auf wirtschaftlicher Ebene als auch im Hinblick auf das Mitarbeitergefüge einen positiven Einfluss hat. Unternehmen, die Wert auf kulturelle Vielfalt legen, gelten als attraktive Arbeitgeber und können so ihre Reputation steigern. Die Chancen, die sich aus gelebter Diversität ergeben, erkennt auch der Bezahldienstleister „PayPal“. Das Unternehmen bezeichnet Vielfalt als einen Beschleuniger von Innovation und strebt daher nach einer vielfältigen Belegschaft, zu der Personen mit unterschiedlichem ethnischen und kulturellen Hintergrund, Geschlecht und diverser sexueller Orientierung zählen. Auch Facebook findet Vielfalt bedeutsam für den Erfolg des Unternehmens, da sich Menschen jeder Herkunft auf Facebook versammeln und auf deren Bedürfnisse mit einer vielfältigeren Belegschaft umso besser eingegangen werden kann.

 

Wo sehen Sie die größte Herausforderung beim Anwerben von geeignetem und gebildetem Personal?

Ein Unternehmen steht und fällt mit seiner Belegschaft, das ist bekannt. Geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, kann sich jedoch mitunter als äußerst schwierig und kompliziert darstellen. Für Adobe ist es daher wichtig, bereits vor dem Interviewprozess eine langfristige Strategie zu verfolgen und eine proaktive Auseinandersetzung mit so genannten „High Potentials“ zu pflegen. Der chinesische Internetriese „Tencent“ hingegen beklagt die geringe Verfügbarkeit von geeignetem Personal und den daraus resultierenden intensiven Wettbewerb um diese Arbeitskräfte am chinesischen Markt.

 

Wie sichern Sie die laufende Weiterbildung Ihres Teams? Gibt es spezielle Weiterbildungsprogramme?

In einer Welt, in der digitale Transformation eine bedeutende Rolle spielt, ist es besonders wichtig, dass Arbeitskräfte mit den benötigten Fähigkeiten und dem richtigen Know-how ausgestattet sind. Facebook, Apple, Google und Tencent setzen auf eigene Universitäten und Akademien, durch die sie ihrem Personal maßgeschneiderte Fortbildungsprogramme anbieten können. Tencent ist dabei die Flexibilität und Zugänglichkeit zu den Lernprogrammen besonders wichtig, es stellt daher seinen Angestellten neben Trainings-on-the-job auch eine Online-Learning-Plattform und ein mobiles Lernsystem zur Verfügung – also Weiterbildung zu jeder Zeit und überall.

 

Welche Incentive-Mechanismen setzen Sie, um Schlüsselpersonal an Ihr Unternehmen zu binden?

Bei den Anreizen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein klarer Trend in Richtung nicht-monetärer Systeme zu erkennen. Diese gehen längst über flexible Arbeitszeiten hinaus und versuchen, das Arbeitsleben einerseits zu verbessern und andererseits mit dem Privatleben bestmöglich in Einklang zu bringen. Facebook bietet Leistungen in unterschiedlichen Bereichen, darunter Gesundheit, Familie, Gemeinschaft und Auszeit. Der Bereich Auszeit beinhaltet beispielsweise einen 30-tägigen Sonderurlaub nach fünf abgeschlossenen Arbeitsjahren. Im monetären Bereich sind Bonuszahlungen und Aktienprogramme die am häufigsten verwendeten Methoden, um Unternehmensangehörige zu hoher Leistung zu motivieren.

 

Spielen Bildungsaspekte bei Ihrer Standortwahl eine Rolle?

Denkt man an IT-Unternehmen in Verbindung mit der Standortwahl, kommt einem meist sofort das Silicon Valley in den Sinn. Giganten der Hightech-Industrie wie Apple, Intel, Google und Facebook sind dort beheimatet und buhlen um die schlauesten Köpfe der umliegenden Universitäten und Forschungszentren. Und genau dieses Einrichtungen sind es, die den Standort so beliebt gemacht haben und die auch deutlich machen, welch wichtige Rolle der Bildungsaspekt bei der Wahl der richtigen Niederlassung spielt.