„Sehr guter Fit“

Interview mit Dr. Stefan Doboczky
Vorstandsvorsitzender des börsennotierten
Faserherstellers Lenzing AG

Dr. Stefan Doboczky

Die Lenzing Gruppe ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das aus dem Rohstoff Holz Fasern herstellt. Diese Fasern sind Ausgangsmaterial für eine Vielzahl von Textil- und Vliesstoff-Anwendungen, kommen aber auch in technischen Anwendungen sowie in Schutz- und Arbeitskleidung zum Einsatz. Namensgeber ist die oberösterreichische Marktgemeinde Lenzing, in der das Unternehmen seinen Sitz hat.

 

Die Lenzing AG ist eines der erfolgreichsten internationalen Unternehmen Österreichs und wird seit 1985 an der Wiener Börse gehandelt. Dr. Stefan Doboczky steht dem Faserhersteller seit Juni 2015 als CEO vor. Der aus Kärnten stammende promovierte Chemiker hat die Lenzing AG in den vergangenen Jahren zu einem globalen und nachhaltigen Player mit starken österreichischen Wurzeln weiterentwickelt. Im Interview nimmt er Stellung zu verantwortungsvollen Investoren, „lästigen“ Fragestellern und zur Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Lenzing Gruppe.

 

Die Lenzing AG ist seit mehr als 30 Jahren an der Wiener Börse gelistet. Wann ist Ihr Unternehmen von Investorenseite erstmals mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert worden?

Ich bin seit rund zehn Jahren bei Investoren-Roadshows dabei, in denen es darum geht, den Kontakt zu potenziellen Anlegern herzustellen oder zu stärken. In den letzten vier Jahren, also seit ich Vorstandsvorsitzender der Lenzing Gruppe bin, hat das Interesse der Investoren am Thema Nachhaltigkeit spürbar zugenommen. Fast gleichzeitig dazu haben wir in der Lenzing-Gruppe Nachhaltigkeit als zentralen Wert unseres Unternehmens festgelegt. Sie ist ein sehr starker Treiber für Wachstum und Innovation und somit für unser Geschäft von essenzieller Bedeutung.

 

Worin zeigt sich das?

Zum einen ist unser Geschäftsmodell per se nachhaltig. Denn es basiert auf dem Modell einer Kreislaufwirtschaft. Mit dem Rohstoff Holz beziehungsweise Cellulose stellen wir hochwertige Fasern für Bekleidung, Bettwäsche, Kosmetik- und Hygieneprodukte, Verpackung und für industrielle Anwendungen her. Die Fasern sind biologisch abbaubar und zerfallen am Ende wieder in ihre Ausgangsstoffe. Zum anderen kommen wir auch in unserer Produktion dem Ideal der Kreislaufwirtschaft sehr nahe, indem wir die für die Produktion notwendigen Hilfsstoffe in einem Kreislaufsystem auffangen und immer wieder in den Produktionsprozess zurückführen. Die Produkte aus Lenzing-Fasern belasten über den gesamten Lebenszyklus die Umwelt nur minimal.

 

Welche Rolle spielt der verantwortungsvolle Umgang mit Roh- und Hilfsstoffen im wirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Anbietern?

Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt der Marke Lenzing. Sie ist ein Hauptmotor für unser Geschäft. Wir haben es geschafft, Innovationsführer zu werden und sind so in unserer Branche in vielem Vorreiter. Das spielt für unsere Kunden ebenso eine Rolle wie für unsere Investoren – vor allem für jene, die auch ökologische Interessen verfolgen.

 

Kann man als Investor die nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens beeinflussen?

Für börsennotierte Unternehmen ist die Meinung von Investoren immer von Bedeutung. Daher sind auch die Fragen, die von Anlegerseite kommen, von Belang. Investoren können daher nicht nur Einfluss auf die Strategie eines Unternehmens nehmen, sondern sie haben auch eine wichtige Verantwortung, dies – im Sinne einer nachhaltigeren Welt – zu tun.

 

…also keine lästigen Fragensteller?

Aus unserer Sicht jedenfalls nicht. Denn wir verfolgen dieselben Ziele: Verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Wirtschaften voranzutreiben und so an der Verbesserung des ökologischen Zustandes unserer Welt mitzuwirken. Wir versuchen als Lenzing Gruppe die Interessen der Investoren, der Menschen und der Umwelt in Einklang zu bringen. Investoren kommt dabei eine wesentliche Rolle zu.

 

Macht es für Sie einen Unterschied, ob ein Investor nachhaltig ist oder nicht?

Grundsätzlich haben wir keinen unmittelbaren Einfluss darauf, wer in unser Unternehmen investiert. Es stellt sich aber oft heraus, dass nachhaltige Investoren mit unserer Unternehmensstrategie große Freude haben und unser Geschäftsmodell mitunter auch sehr gut verstehen. Daher sind nachhaltige Investoren oft auch langfristigere Investoren, die an ein Konzept glauben und nicht gleich abspringen, wenn es einmal schwierig wird. Verantwortungsvolle Investoren suchen verantwortungsvolle Firmen. Daher gibt es einen sehr guten Fit mit nachhaltigen Investoren.

 

Was wünschen Sie sich Ihrerseits von nachhaltigen Investoren?

Dass sie in ihrer Branche die Werbetrommel für mehr Nachhaltigkeit rühren. Denn die Finanzwirtschaft hat einen enormen Hebel, den es zu nutzen gilt. Allein aus dem Investorenthema heraus, können viele Verbesserungen bewerkstelligt werden.

 

Foto: Regine Hendrich