Smartphone, Laptop & Co nachhaltiger nutzen

Digitale Geräte, insbesondere Smartphones, haben unser Leben in sehr kurzer Zeit verändert. Noch vor 15 Jahren haben wir unsere Fotos mit Kameras gemacht und Musik kam aus dem CD-Player. Die Digitalisierung wird aufgrund ihrer vielfältigen Möglichkeiten als Hoffnung für unsere Wirtschaft und Gesellschaft gesehen. Zu den Schattenseiten zählen neben schädlichen CO2-Emissionen durch den Stromverbrauch aus nicht nachhaltigen Quellen ein hoher Rohstoffverbrauch und schlechte Arbeitsbedingungen bei der Herstellung und Logistik der Geräte.

Für eine „grüne“ und faire Digitalisierung braucht es neben gesetzlichen Vorgaben durch die Politik und Maßnahmen der herstellenden Unternehmen auch den Beitrag der Nutzer. Lesen Sie, welche einfachen Möglichkeiten Sie konkret haben, Ihre digitalen Geräte nachhaltiger zu nutzen.

 

Herstellung

Auch eine digitalisierte Gesellschaft benötigt eine Hardware. Abbau, Verarbeitung, Handel und nicht zuletzt die Entsorgung der Rohstoffe für die Produktion von Smartphones, Tablets und Laptops gehen oft Hand in Hand mit Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, schweren Konflikten und erheblicher Umweltzerstörung.

Der Großteil des Energieaufwandes eines Smartphones ist erforderlich, schon bevor das Gerät das erste Mal durch den Kunden eingeschaltet worden ist. Je nach Modell fallen zwischen 70 und 85 % des Energieverbrauchs in der Vorproduktion (Auswahl der Zulieferer und Materialien, Anfertigung von Prototypen) sowie bei Herstellung und Transport der Geräte an. 2017 besaßen wir Österreicher insgesamt 20 Millionen Handys, in denen sich 500 kg Gold befanden. Um diese Menge an Gold zu gewinnen, müssen 125 Millionen kg Golderz bearbeitet werden. Unsere Handys bestehen zu einem Viertel aus teils seltenen Metallen, die nicht recycelt werden können und unwiederbringlich verloren gehen. Daher ist die Verlängerung der Nutzungsdauer unserer Geräte das Um und Auf.

 

Gerätenutzung und Energieverbrauch

Die immer stärkere Internetnutzung und die steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten kurbeln den Strombedarf an. Zwar werden Endgeräte wie Laptops oder Smartphones immer energieeffizienter, dafür gibt es aber immer mehr davon. Displays werden auf der einen Seite sparsamer, auf der anderen Seite meist größer.

Die IT-Nutzung ist immer mit Energieverbrauch verbunden. Deshalb spielt die Herkunft der Energie eine zentrale Rolle. Wo immer möglich, sollte Strom aus erneuerbaren Energiequellen genutzt werden.

Der Zugang per Kabel verbraucht weniger Energie als die mobile Internetnutzung. Der mobile Zugang über WLAN hat wiederum eine deutlich geringere Energieintensität als der über Mobilfunk. Es ist daher sinnvoll, die meist kostenlosen Wi-Fi-Hotspots zum mobilen Surfen zu nutzen.

 

Internetsuche

Auch beim Googeln, einer Anfrage bei Suchdiensten, wird CO2 verursacht, da die Anfrage ja durch ein Rechenzentrum bearbeitet wird, das für seine Server und deren Kühlung Energie benötigt. Google selbst gibt an, pro Suche entstünden so 0,2 Gramm CO2. Viele Suchanfragen entstehen dadurch, dass Seiten gesucht werden, die bereits besucht wurden. Es ist umweltfreundlicher, in der History des benutzten Browsers nach der Seite zu suchen bzw. sich Lesezeichen zu setzen.

 

Klimasünde Videostreaming?

Filme, Serien, Sportereignisse und kurze Clips im Netz zu schauen boomt: Der Anteil von Videodaten am gesamten Internetverkehr liegt bei aktuell etwa 75 Prozent. Laut der Bitkom-Studie „Nachhaltigkeit von Streaming und Co“ hängt der Energiebedarf der Videonutzung neben der Ausstattung der Rechenzentren und Datennetze auch stark davon ab, mit welchem Endgerät und mit welcher Auflösung geschaut wird. Videoschauen mit SD-Auflösung auf einem Smartphone, Tablet oder Notebook benötigt wesentlich weniger Energie als das klassische Fernsehen oder das Abspielen einer DVD auf einem 50″-Flachbildfernseher. Für den häufigen Fall des Schauens in HD-Qualität im Festnetz entstehen pro Stunde beim heutigen Energiemix zwischen 100 und 200 Gramm CO2. Das ist vergleichbar mit einem Kilometer Fahrt in einem Pkw mit Verbrennungsmotor.

 

Daneben kann der Endnutzer aber auch bei der Übertragung die Energieeffizienz beeinflussen, etwa durch Wahl einer weniger energieintensiven Übertragung: Festnetz, gegebenenfalls in Kombination mit WLAN, benötigt deutlich weniger Energie als eine Mobilfunkübertragung.

Was man selbst tun kann

  • Reduce: Verwenden Sie Handy, PC etc. länger und kaufen Sie weniger.
  • Reuse: Benützen Sie Secondhand-Geräte und geben Sie alte Geräte weiter, auch modulare Handys sind eine gute Alternative.
  • Repair: Reparieren Sie das Gerät, anstatt es wegzugeben – helfen kann dabei z. B. ein Repair-Café.
  • Recycle: Entsorgen Sie Ihre technischen Geräte und Batterien sachgerecht.
  • Seien Sie besonnen. Große Bildschirme und leistungsstarke Grafikkarten verbrauchen viel Strom.
  • Schalten Sie die Geräte aus. Auch der Stand-by-Modus und der Bildschirmschoner verbrauchen Strom.
  • Wechseln Sie zu einem echten Ökostrom-Anbieter.
  • Haben Sie den Mut, öfter mal offline zu gehen – das ist auch das Erfolgsrezept zur Entschleunigung des eigenen Lebenstempos.

Smart Home

Durch den Trend, immer mehr Haushaltsgeräte zu vernetzen, steigt der Verbrauch weiterer Rohstoffe enorm, etwa wenn Ektrogeräte durch neue ersetzt werden, weil sie nicht kompatibel sind oder vernetzte Produkte schneller unbrauchbar werden, weil keine Sicherheitsupdates mehr verfügbar sind. „Smarte“ Lösungen dienen bisher vor allem als Motor für weiteres Wirtschaftswachstum. In vielen Produktkategorien bleibt es offen, ob ein tatsächlicher Mehrwert für die Verbraucherinnen und Verbraucher durch die zusätzliche Vernetzung entsteht. Gleichzeitig gilt es, die sich bietenden Potenziale der vernetzten Nutzung von Haushaltsgeräten für den Klimaschutz gezielter auszuschöpfen, beispielsweise durch intelligente Steuerung von Heizungsanlagen.

 

Entsorgung

Alte Elektrogeräte gehören nicht in den Hausmüll. Am nachhaltigsten ist es, die Geräte so lange wie möglich zu nutzen und dann weiterzuverkaufen oder zu verschenken. Die dritte Option ist das Recycling, beispielsweise über die nächstgelegene Problemstoffsammelstelle. Handyshops sind verpflichtet, beim Neukauf das alte Handy zurückzunehmen. Weiters gibt es mehrere Sammelaktionen zum Handyrecycling, bei denen ein Teil des Erlöses gemeinnützigen Zwecken zugutekommt, beispielsweise die Ö3 Wundertüte oder die Sammelaktion der Roten Nasen Clowndoctors.

Autorin: Mag. Silvia Schmidt

 

Quellen und Literaturhinweise:
Felix Sühlmann-Faul/Stephan Rammler: Der blinde Fleck der Digitalisierung, 2018
Steffen Lange/Tilman Santarius: Smarte grüne Welt?, 2018
https://www.global2000.at/rohstoffe-der-digitalisierung
Greenpeace-Report: 10 Jahre Smartphone
Bitkom-Studie: Nachhaltigkeit von Streaming und Co