Zertifizierte Beratung

Ausbildung „Nachhaltige Geldanlagen“

In den österreichischen Raiffeisenbanken sind mittlerweile mehr als 160 ÖGUT-zertifizierte Nachhaltigkeitsberaterinnen und -berater tätig. NACHHALTIG INVESTIEREN traf Dr. Katharina Muner-Sammer, wissenschaftliche Projektmanagerin in der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) und Wolfgang Wimmer, Bankenbetreuer der Raiffeisen KAG.

Drin Katharina Muner-Sammer
wissenschaftliche Projektmanagerin in der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT)

Katharina Muner-Sammer

Frau Dr. Muner-Sammer, was genau macht die ÖGUT?

Muner-Sammer: Wir sind eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die sich für eine nachhaltige Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft einsetzt. Dabei vernetzen wir rund 90 Organisationen und Institutionen aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Umwelt. Thematisch sind wir im ganzen Spektrum der Nachhaltigkeit tätig, beispielsweise in den Bereichen Energie, innovatives Bauen, Ressourcenmanagement und auch beim grünen Investment. Wir leisten auf der Webseite www.gruenesgeld.at Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, erstellen anwendungsorientierte Studien, bieten Schulungen an und treten für fördernde institutionelle Rahmenbedingungen ein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Vergabe von Zertifikaten und Gütesiegeln, ein Beispiel hierfür ist die Nachhaltigkeitszertifizierung der Vorsorge und Pensionskassen.

 

Die ÖGUT bietet seit einiger Zeit eine eigene Ausbildung für nachhaltige Anlageberatung an. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Muner-Sammer: Wir beobachten schon länger, dass ein wesentlicher Schlüssel für die Verbreitung von nachhaltigen Geldanlagen die Beraterinnen und Berater sind. Im Rahmen einer internationalen EU-Ausschreibung „Lebenslanges Lernen“ haben wir den Kurs zwischen 2013 und 2015 gemeinsam mit europäischen Partnern entwickelt. Seit 2016 bieten wir die Weiterbildung für nachhaltige Geldanlagen zusammen mit dem „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ (FNG) im deutschsprachigen Raum an.

Wolfgang Wimmer

Wolfgang Wimmer
Mitarbeiter Bankenbetreuung und Nachhaltigkeitsexperte bei der Raiffeisen KAG

Die Raiffeisen KAG begleitet und unterstützt diese Weiterbildung. Wie kam es dazu?

Wimmer: Die Raiffeisen KAG wurde 2015 von der ÖGUT zum ersten Ausbildungstool eingeladen. Die Inhalte und der Umfang haben uns davon überzeugt, dass die Weiterbildung sehr gut zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie passt. Es werden viele Ansätze erklärt, die auch bei uns Anwendung finden.

 

Warum ist es bei nachhaltigen Investments so wichtig, dass es eine spezialisierte Ausbildung gibt?

Muner-Sammer: Nachhaltig Geld anzulegen bedeutet, Geld in Unternehmen, Staaten und Projekte zu investieren, die bei ihrer wirtschaftlichen Aktivität ökologische und soziale Belange berücksichtigen. Aber woher weiß man, welche Unternehmen oder Staaten nachhaltig sind? Woran erkennt man nachhaltige Veranlagungsprodukte mit Qualität? Die Weiterbildung für nachhaltige Geldanlagen vermittelt ein umfangreiches Know-how, um kompetent und ausführlich zu nachhaltigen Geldanlagen beraten zu können.

Wimmer: Der Wissensstand der Kunden ist sehr unterschiedlich. Es gibt weniger gut und sehr gut informierte Anleger und erfahrungsgemäß auch Vorbehalte und Skepsis dem Thema gegenüber. Die Weiterbildung bietet einen sehr großen Wissensschatz, auf den jede Beraterin und jeder Berater zurückgreifen kann, um umfassend zu informieren und eventuelle Vorbehalte auszuräumen.

 

Ziel der Ausbildung „Nachhaltige Geldanlagen“ ist es, Finanzberaterinnen und -beratern praxisnahes Know-how für den Beratungsprozess zu bieten. Dabei werden beispielsweise die unterschiedlichen nachhaltigen Investmentansätze erklärt.

 

Wie ist die Weiterbildung strukturiert? Wie viel Zeit nimmt sie in Anspruch?

Muner-Sammer: Die Ausbildung besteht aus zwei E-Learning-Modulen und einem Präsenztag. Gerade die E-Learning-Einheiten mit insgesamt rund 8 Stunden, haben den Vorteil, dass sie zeitlich flexibel und ortsungebunden abgeschlossen werden können. Beide E-Learning-Module enden jeweils mit einem Multiple-Choice-Test. Das dritte Modul, der Präsenztag, bietet die Möglichkeit zur Wiederholung und Vertiefung des Gelernten sowie zum Erfahrungsaustausch mit anderen Teilnehmern. Gerade der Aspekt des Erfahrungsaustausches wurde von den bisherigen AbsolventInnen als sehr wertvoll und zielführend erlebt.

Wimmer: Die ÖGUT-Weiterbildung ist grundsätzlich produktneutral. Es gibt allerdings einen speziellen Präsenztag für Raiffeisen-Beraterinnen und Berater. Hier stellt die Raiffeisen KAG ihren Nachhaltigkeitsansatz im Detail vor. Die Teilnehmenden lernen so neben dem thematischen Gesamtüberblick auch unseren Nachhaltigkeitsprozess genauer kennen. Sie erfahren außerdem, warum wir – ebenso wie andere nachhaltige Anleger – Kohle aus unseren Portfolios ausschließen und warum Tesla aus unserer Investorensicht, zumindest derzeit, kein attraktives Unternehmen ist.

 

Welche Inhalte werden vermittelt?

Muner-Sammer: Ziel der Ausbildung „Nachhaltige Geldanlagen“ ist es, Finanzberaterinnen und -berater praxisnahes Know-how für den Beratungsprozess zu bieten. Dabei werden beispielsweise die unterschiedlichen nachhaltigen Investmentansätze erklärt und Fragen beantwortet, etwa: Woran erkennt man die Qualität von nachhaltigen Finanzprodukten? Auf welche Labels bzw. Gütezeichen sollte geachtet werden? Welche Datenbanken für nachhaltige Finanzprodukte sind empfehlenswert?

Wimmer: Wir stellen konkrete Produkte aus unserem nachhaltig gemanagten Angebot vor. Und wir gehen auf die Frage ein, wann Unternehmen für ein nachhaltiges Investment in Frage kommen und wann nicht. Außerdem geben wir einen Überblick, wo Beraterinnen und Berater zusätzliche Informationen rund ums nachhaltige Investieren abrufen können.

 

Die Weiterbildung schließt mit einem Zertifikat ab…

Muner-Sammer: Ja, damit soll die Wertigkeit der Weiterbildung unterstrichen werden. Zum einen erhalten die TeilnehmerInnen für den erfolgreichen Abschluss 12 CPD-Credits vom österreichischen Verband „Financial Planners“. Zum anderen können sich die Absolventen als „ÖGUT-zertifizierte(r) BeraterIn für nachhaltige Geldanlagen“ bezeichnen. Last but not least erhalten sie ein Zertifikat – übrigens mit Bundesadler – das vom Generalsekretär des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus unterzeichnet und verliehen wird. Und alle, die die Weiterbildung abgeschlossen haben, können sich auf der Webseite www.gruenesgeld.at im Bereich AnlageberaterInnen eintragen lassen.